Mao Zedong & Bauerneis

Ein warmer Herbstsamstag-Nachmittag, wir spazieren zu Fuß durch die belebten Gassen in die Stadt, zum Völkerkundemuseum. Eine Führung durch die Sonderausstellung „Kulturrevolution des Mao Zedong“ ist angesagt. Wir sehen die Alltagsgegenstände mit Mao-Sprüchen drauf – vom blechernen Teehäferl über Schultaschen, Teller bis zum politisch korrekten Vorhangstoff, alles ist mit Mao-Zitaten verziert – die Gewandungen der Kulturrevolution, lesen die Parolen. Eine weltweit einzigartige, sehenswerte Sammlung.

Aber es ist warm draußen und die Sonne strahlt – Eis wär jetzt das Richtige. Mein erstes in dieser Saison. Immerhin.

Es gibt einen neuen Eisladen in der Rotenturmstraße. Bauerneis. Bioeis. Vegan. Eis-Greisslerei. Muß ausprobiert werden. Die Leute stehen im Gänsemarsch quer über den Gehsteig angestellt. Ein winziger Laden, erinnernt mich an ein Milchgeschäft aus meiner Kindheit, mit hellblau-weißen Kacheln, weißen Schränkchen, appetitlich und einladend. Zwetschkeneis, Butterkekseis, Alpenkarameleis, … – und Biereis und Ziegenkäseeis gibt es da.

Er „Des muaß i ausprowian. Beides. Auf amoi. Und zua Sicherheit a Zwetschkeneis obn drauf, nua füa den Foi, dos do zu grauslich is.“ Also wird ein Becher, „ka Stanizl, do trenzt ois oba“ mit drei riesigen Kugeln angefüllt. Sie  „Heast, ob des guad is ?“ Sie und ich bleiben bei Butterkekseis und Alpenkaramel. Sehr köstlich. Er „Des Biaeis is guad, nua derf mas mim Zwetschkeneis net mischn.“ Sie „und da Ziagnkas ?“ Er „bei dem bin i no net, der is gonz untn. Oba schau, dia rinnts untn außn Becha auße, der is net dicht“. Sie „ Oaje, kumt glei eine in d’Maschin daham.“ Er „ Jetzan kummt a duach da Ziagnkas, i gspia eam scho. Is oba net schlecht – wia Topfn“

Die Becher sind geleert, wir gehen zur U-Bahn. Er „Oba des Amarena-Eis vom Schwednploz, des is ma scho liaba.“ Wir warten am Bahnsteig. Er „Jetzt muaß i die Gschmokn in mein Mund suatian – rechts hob i s’Bia und links den Ziagnkas. Des irritiat mi jetzt.“ Sie „Geh, des büds da ois nua ei – wenn ma da sogn des woa a Conjak, schmeckast jetzt an Conjak“ Er „Na, weus a Bier und a Ziagnkas woa“.

Die U-Bahn kommt, wir steigen ein. Sie „An Dunst hots do harin, do wiad ein glei schwummarig.“

Gemütlich spazieren wir dann durch die engen Gassen heim. Zu jedem Haus höre ich eine Geschichte und den neuesten Tratsch. Wiener Kabaret vom Feinsten.

Ein bezaubernder Nachmittag mit zwei bezaubernden Menschen. Beide über 70, agil, humorvoll und lebendig wie wir. Meine heißgeliebten Nachbarn.

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