Wege aus der Angst

Foto: © CatrinPhoto; ALLE RECHTE VORBEHALTEN

Ganzheitsmedizin bedeutet den Menschen in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und gesundheitlichen Störungen ursächlich zu begegnen.  Angst oder Angststörungen sind keine Krankheiten, sondern Symptome, die uns auf eine tiefer liegende Ursache hinweisen möchten.

Überlegen Sie: Was wären Krankheit oder Krise ohne die damit verbundene Angst?

Angst gehört zur emotionalen Grundausstattung des menschlichen Organismus. Sie ist die Alarmanlage des Menschen, die verlässlich vor Gefahren warnt. Genauso wie man vor einer Alarmanlage erschrickt, reagiert der Organismus mit einer heftigen Stressreaktion, die ihn befähigt sich aus der als bedrohlich empfundenen Situation zu entfernen.

Entwicklungsgeschichtlich hat die Angst die Aufgabe unser Überleben zu sichern. Wenn man einmal eine unangenehme oder schmerzhafte Erfahrung gemacht hat – zum Beispiel dass Feuer heiß ist, ist es die Angst, die uns in Zukunft davor warnt, zu nahe ans Feuer zu gehen. Im Laufe des Lebens lernen wir so viele real existierende Gefahren zu vermeiden oder angemessen zu reagieren. Dies lässt sich mit einem Vogel vergleichen, der auffliegt, wenn sich eine Katze nähert.

Überlegen Sie: Lebt der Vogel in ständiger Angst vor der Katze ?

Angst löst eine sogenannte Stressreaktion aus, die den Körper befähigt in Gefahrensituationen optimal zu reagieren. Dabei kommt es zu einer Umverteilung der Energieversorgung auf jene Körperteile, die zur Gefahrenabwehr benötigt werden: Das Herz-Kreislaufsystem, da mehr Energie verbraucht wird, die Muskulatur, um zu kämpfen oder zu fliehen, und das Gehirn, um die Abwehr zu steuern. Dies geht auf Kosten der sognannten Ruheorgane – das Magen-Darmsystem, die Immunabwehr und die Fortpflanzungstätigkeit.  Wichtig ist auch, dass der Metabolismus (Energieversorgung) umgestellt wird, um den Körper rasch mit Energie versorgen zu können.

Ist die Gefahrensituation vorbei, kommt der Körper schnell wieder zur Ruhe und die Situation normalisiert sich innerhalb von kurzer Zeit.

Angst ist also ein nützliches Warnsystem, das uns vor Gefahren schützen soll. Wie kommt es aber dazu, dass Angst so viele Menschen plagt und sogar krank macht?

Angst ist mit Abstand der größte Stressfaktor, den es gibt.

Überlegen Sie: Warum gibt es soviel Fehlalarm, der uns aus der Ruhe bringen ?

Viele Menschen machen die Erfahrung, dass die Angst vor einer bestimmten Situation viel schlimmer ist, als die Situation selbst. Im Grunde fürchtet man sich ja nicht vor einer bestimmten Situation, sondern eher vor bestimmten Konsequenzen, die mit negativen Erwartungen verbunden sind.

Überlegen Sie: Wie oft sind ihre schlimmsten Befürchtungen genau so eingetroffen?

Oft ist Angst ein unterschwelliges Gefühl, das sich als Unruhe oder Nervosität erkennbar macht. Wir spüren nicht nur das beengende Gefühl der Angst, sondern vor allem die Symptome der Stressreaktion, die durch die Angst ausgelöst wird, als Abwehrreaktion auf etwas, das wir zwar befürchten, das aber noch gar nicht da ist.

Befürchten kann man nur etwas, das man zwar aus der Vergangenheit kennt, das aber in der Zukunft liegt. Gibt es jetzt, im Moment etwas wovor wir uns fürchten müssen ?

Überlegen Sie: Gibt es JETZT etwas, das ich tun kann oder muss?

Angst selbst ist also ein Alarmsignal, sich vor etwas zu fürchten ist Ausdruck einer Angst vor einem Auslöser in der Zukunft. Ganz so, als würde man konstant die Alarmanlage schrillen lassen, um sich daran zu erinnern, das man sich vor den Einbrechern fürchtet.

Viele unserer Ängste sind unbewusst und haben mit sogenannten Konditionierungen zu tun. Dies sind automatische Reaktionsmuster, die sich aufgrund von als unangenehm oder bedrohlich empfundenen Situationen gebildet haben. So ist zum Beispiel die unterschwellige Angst zu versagen, krank zu werden, verlassen zu werden oder Schmerzen zu erleiden oft Ausdruck eines Kindheits- oder sogar vorgeburtlichen Erlebnisses, das uns das ganze Leben im Bann halt. Die Standards und der Leistungsdruck unserer Gesellschaft verstärken diese Konditionierungen durch Ansprüche, denen wir glauben gerecht werden zu müssen.

Überlegen Sie:  Setze ich mich selbst unter Druck und ist es notwendig ?

Symptome der Angst sind also mit einer Reaktion auf eine schrillende Alarmanlage zu vergleichen und man hat die Wahl: entweder die Warnsignale zu ignorieren und die Symptome zu unterdrücken (durch Ablenkung, Drogen oder Medikamente), oder sich mit Interesse der tieferen Ursache zuzuwenden – so, als würde man nachsehen gehen, warum der Alarm ausgelöst wird.

Jede Angst hat eine Geschichte und sich dieser zu nähern, ist der erste Schritt zur Heilung. Fragen Sie sich: was will mir die Angst sagen – und vertrauen sie der Antwort.

Die Ursache der (chronischen Angst ist immer eine unwillkürliche Reaktion auf die Empfindung “nicht zu wissen” – das heißt keine Kontrolle darüber zu haben, wie etwas ausgehen wird, denn selbst wenn es Prognosen oder Vorhersagen gibt, können wir nicht sicher sein, wie sich eine Sachlage entwickeln wird und wofür dies letztendlich  gut sind.

Überlegen Sie: Hätten Sie Angst, wenn Sie sicher wüssten dass alles gut ausgeht ?

Ein weiterer Schritt ist zu lernen, sich von quälenden Gedanken zu befreien. Dies geschieht einerseits durch Logik (“Kann ich absolut sicher sein, ob das, was ich befürchte auch eintrifft?”), andererseits durch Lenken der Aufmerksamkeit weg von den Gedanken, in den eigenen Körper.  Dem Atem folgen, bewusst zu entspannen oder sich bei einem Spaziergang von der Natur helfen zu lassen, sind einfache, doch extrem wirksame Methoden.

Manchmal sind Angstzustände (Unruhe, Aggressivität) oder Angststörungen ( Panikattacken) so ausgeprägt, dass professionelle Hilfe, unter Umständen auch Medikamente, in Anspruch genommen werden müssen. Wichtig ist aber immer die Ursachensuche, denn als quälend empfundene Angst hat immer einen Grund und einen damit verbundene Auslöser.

 ERSTE HILFE:

Was tun bei Angst und Stress ? Die ABC – Regel hat sich bewährt:

Anerkennen: Dies ist der erste und wichtigste Schritt. Nehmen Sie die Angst und das unangenehme Druckgefühl an. Sagen sie “ JA “ dazu – Ja, ich verspüre Angst.

Beobachten: Beobachten Sie sich und Ihre Reaktionen. Wann tritt das Angstgefühl auf, mit welchen Situationen und Menschen ist es verbunden ? Gibt es „Trigger“ ? Wie reagieren Sie darauf ?

Causal hinterfragen: Ist es JETZT notwendig, in Aufruhr zu sein ?

Angst und Unruhe lassen sich leicht lösen, wenn man sich angewöhnt, im Hier und Jetzt zu sein. Viele Dinge lösen sich von selbst, und Ruhe und Gelassenheit stellen sich ein.

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VERANSTALTUNGSHINWEIS: Am 3.12. hält Dr. Michaela Trnka einen Vortrag über „Wege aus der Angst“ im Rahmen des MiniMed Studiums (Eintritt frei)

Wege aus der Angst
Wie man Angst und Krise als Wachstumschance nützen kann

19:00 Uhr
Novomatic Forum – Festsaal
Friedrichstr. 7, 1010 Wien

Mehr über Dr. Michaela Trnka

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