Ein Ort zum Wohlfühlen

Samstagnachmittag Ende Oktober. Dichter Hochnebel hängt über der Stadt. Es ist nicht wirklich kalt, aber es verlangt nach Gemütlichkeit. Ich gehe den Wienfluß entlang, durch den Naschmarkt, den Resselpark, den herbstlich bunten Stadtpark in den dritten Bezirk. Ich habe eine bestimmte Adresse im Sinn und bin – obwohl ich noch nie vorher dort war – fast sicher, dass das, was ich dort vorfinden werde, genau das ist, wonach dieser Nachmittag verlangt. M. und ich stehen davor und schauen uns nur an. Wir öffnen die Tür und – das IST es. So wie es sein soll. Jedes Detail ist so, wie es sein soll. Selbst der liebevoll bereitete Kaffee wird serviert so wie er serviert werden soll.

Ein großer Tisch lädt ein zum Niederlassen, zum Schmökern in den Journalen, zum Ausprobieren, Lernen, Lust bekommen an der Wolle …. Bisher einander unbekannte Menschen verbindet der Sinn für das Schöne, das Begreifen und Fühlen des Materials und lässt sie spontan vertraut miteinander reden. Man kommt einfach, setzt sich an den großen Tisch und IST da. Mit allen Sinnen.

Manche bringen ihre Wolle mit und lassen sich voneinander zeigen, wie’s geht. Einfach so. Hier ist man automatisch kommunikativ.

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Jedes Detail spiegelt die Leidenschaft der Besitzerin für das Material, für das Stricken wider. Man spürt dieses Gefühl fast körperlich. Wir streichen mit der Hand über die vielen schönen Dinge und sagt nur „wie schön ….“. Man fühlt die Weichheit der Wolle, die Wärme des Holzes, die Offenheit der Menschen. Es ist so gegroundet hier.

„Ist das herrlich – ich hab seit 25 Jahren nicht mehr gestrickt, soll ich’s wieder probieren ?“ Auf dem große Tisch liegen viele angefangene Probeteile. Griffbereit. Einladend. „Aber ja, nur zu !“ M. schnappt sich ein paar Bambusnadeln – und „Macht das wieder Spaß !“ Reihe um Reihe wächst das Probeteil. „Ich fang noch heute an, eine Mütze zu stricken“ sagt sie. Die Wolle dafür wird gleich ausgesucht. Blau und rot. So wie die für meinen Schal. Grün.

Bei köstlichem Espresso macchiato und Schokobohnen schmökern wir noch ein bisschen in den Journalen. Gusto holen für das nächste Mal. Ein neues Stammlokal ist gefunden. Vielleicht nehme ich nächstes Mal meine Strickerei gleich mit. Setz mich einfach an den großen Tisch und lerne bezaubernde Menschen kennen.

Ein wunderbares Bespiel dafür, wie die Menschen automatisch miteinander in Kontakt treten, wenn die Atmosphäre das bietet, was wir alle brauchen. Geborgenheit, Offenheit, Ehrlichkeit, Authentizität. Und wie sehr wir uns mit den schönen überlieferten Dingen wohlfühlen – in Ergänzung zu facebook.

Das finden wir – im Laniato, dem Wiener Wollcafé.

http://www.laniato.com

Fotos: ©wegweise

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