Es wäre eine Chance gewesen

Heute Mittag beobachtete ich eine Situation, die die Chance auf eine schöne und positive Lösung in sich barg.

Vor einem Supermarkt hat ein Taxifahrer in einer Halteverbotszone für wenige Minuten sein Auto abgestellt, um sich eine Wurstsemmel und etwas zu trinken zu kaufen. Es war Mittag, es war heiß und die Straße wie ausgestorben. Als er zum Auto zurückkam hat die Parkraumüberwacherin (so nennt man diese Organe, glaub ich) gerade den Strafzettel ausgestellt. Eine verhärmte, frustriert wirkende, ungesund ausschauende ältere Frau. Es waren jede Menge Parkplätze in dieser Zone frei – alles war leer. Der Taxifahrer – ein junger, sehr sympathischer Mann mit afrikanischem Migrationshintergrund – bat das Behördenorgan, es bei einer Abmahnung zu belassen. Da Dame nahm nämlich kein Bargeld, sondern es würde ein Strafmandat per Post an die Taxifirma folgen. Und dann wäre sein Job dahin. Auf äußerst unfreundliche, ja gerade ungehörige Art, mit Worten, die ich nicht wiedergeben möchte, machte sie ihrem in vielen Jahren angehäuften Frust an diesem armen Teufel Luft. Die Straße war menschenleer, niemand hätte es gesehen, wenn sie ihn einfach nur verwarnt hätte. Ihm vielleicht auch ein Lächeln geschenkt hätte. Ich bin sicher, er hätte das nächste Mal woanders geparkt.

Das wäre so eine schöne Chance gewesen, diesem Menschen eine Freude zu machen. Diese Freude hätte dem Behördenorgan – wenn vielleicht auch unbewußt – den Tag verschönert, ihre verhärmten Züge vielleicht ein wenig aufgehellt. Und der Taxifahrer hätte seine Freude an andere Menschen weitergegeben. Freude ist ansteckend. Ärger aber auch.

Und ich frage mich, ob es nicht hin und wieder besser ist ein Auge zuzudrücken und damit Freude zu machen. Positive Erlebnisse bewirken manchmal mehr als primitive Strafen.

Wir sollten öfters mal versuchen, die  Dinge „durch Positives aus den Angeln zu heben“ !

Ein Gedanke zu „Es wäre eine Chance gewesen

  1. Oh, das ist eine schöne Situation um zu reflektieren:

    Jemand anderen “ niederzumachen“ gibt das Gefühl der Macht, Autorität zu erleben, das Gefühl der Ohnmacht. Beides ist aber nur scheinbar. So hat der Taxifahrer ja gegen die Regeln verstoßen und sich damit „deklariert“, die Politesse ist auf den Wunsch eingegangen und hat amtsgehandelt. Aber auch der Zuseher übernimmt eine Rolle, indem er sich entweder mit der Position der Macht – oder der Ohnmacht identifiziert und damit dem Geschehen weitere Energie gibt.

    Diese Zusammenhänge müssen bewusst werden, dann ist das Miteinander plötzlich viel einfacher. Da fließt das Mitgefühl und hässliche Szenen entstehen gar nicht mehr im Gleichklang, alles löst sich auf.

    Ja es stimmt. Auf einer Ebene müssen wir erkennen sein, das Freude geben, Freude bringt. Aber auf einer tieferen Ebene erkennen wir aber, dass alles Erlebte ein Spiegel eines unbewussten inneren Konfliktes ist und jeder diese Situation anders erlebt. ( Opfer, Täter, Zeuge, Leser…)

    Das ist so spannend….

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