Wege aus der Angst

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Ganzheitsmedizin bedeutet den Menschen in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und gesundheitlichen Störungen ursächlich zu begegnen.  Angst oder Angststörungen sind keine Krankheiten, sondern Symptome, die uns auf eine tiefer liegende Ursache hinweisen möchten.

Überlegen Sie: Was wären Krankheit oder Krise ohne die damit verbundene Angst?

Angst gehört zur emotionalen Grundausstattung des menschlichen Organismus. Sie ist die Alarmanlage des Menschen, die verlässlich vor Gefahren warnt. Genauso wie man vor einer Alarmanlage erschrickt, reagiert der Organismus mit einer heftigen Stressreaktion, die ihn befähigt sich aus der als bedrohlich empfundenen Situation zu entfernen.

Entwicklungsgeschichtlich hat die Angst die Aufgabe unser Überleben zu sichern. Wenn man einmal eine unangenehme oder schmerzhafte Erfahrung gemacht hat – zum Beispiel dass Feuer heiß ist, ist es die Angst, die uns in Zukunft davor warnt, zu nahe ans Feuer zu gehen. Im Laufe des Lebens lernen wir so viele real existierende Gefahren zu vermeiden oder angemessen zu reagieren. Dies lässt sich mit einem Vogel vergleichen, der auffliegt, wenn sich eine Katze nähert.

Überlegen Sie: Lebt der Vogel in ständiger Angst vor der Katze ?

Angst löst eine sogenannte Stressreaktion aus, die den Körper befähigt in Gefahrensituationen optimal zu reagieren. Dabei kommt es zu einer Umverteilung der Energieversorgung auf jene Körperteile, die zur Gefahrenabwehr benötigt werden: Das Herz-Kreislaufsystem, da mehr Energie verbraucht wird, die Muskulatur, um zu kämpfen oder zu fliehen, und das Gehirn, um die Abwehr zu steuern. Dies geht auf Kosten der sognannten Ruheorgane – das Magen-Darmsystem, die Immunabwehr und die Fortpflanzungstätigkeit.  Wichtig ist auch, dass der Metabolismus (Energieversorgung) umgestellt wird, um den Körper rasch mit Energie versorgen zu können.

Ist die Gefahrensituation vorbei, kommt der Körper schnell wieder zur Ruhe und die Situation normalisiert sich innerhalb von kurzer Zeit.

Angst ist also ein nützliches Warnsystem, das uns vor Gefahren schützen soll. Wie kommt es aber dazu, dass Angst so viele Menschen plagt und sogar krank macht?

Angst ist mit Abstand der größte Stressfaktor, den es gibt.

Überlegen Sie: Warum gibt es soviel Fehlalarm, der uns aus der Ruhe bringen ?

Viele Menschen machen die Erfahrung, dass die Angst vor einer bestimmten Situation viel schlimmer ist, als die Situation selbst. Im Grunde fürchtet man sich ja nicht vor einer bestimmten Situation, sondern eher vor bestimmten Konsequenzen, die mit negativen Erwartungen verbunden sind.

Überlegen Sie: Wie oft sind ihre schlimmsten Befürchtungen genau so eingetroffen?

Oft ist Angst ein unterschwelliges Gefühl, das sich als Unruhe oder Nervosität erkennbar macht. Wir spüren nicht nur das beengende Gefühl der Angst, sondern vor allem die Symptome der Stressreaktion, die durch die Angst ausgelöst wird, als Abwehrreaktion auf etwas, das wir zwar befürchten, das aber noch gar nicht da ist.

Befürchten kann man nur etwas, das man zwar aus der Vergangenheit kennt, das aber in der Zukunft liegt. Gibt es jetzt, im Moment etwas wovor wir uns fürchten müssen ?

Überlegen Sie: Gibt es JETZT etwas, das ich tun kann oder muss?

Angst selbst ist also ein Alarmsignal, sich vor etwas zu fürchten ist Ausdruck einer Angst vor einem Auslöser in der Zukunft. Ganz so, als würde man konstant die Alarmanlage schrillen lassen, um sich daran zu erinnern, das man sich vor den Einbrechern fürchtet.

Viele unserer Ängste sind unbewusst und haben mit sogenannten Konditionierungen zu tun. Dies sind automatische Reaktionsmuster, die sich aufgrund von als unangenehm oder bedrohlich empfundenen Situationen gebildet haben. So ist zum Beispiel die unterschwellige Angst zu versagen, krank zu werden, verlassen zu werden oder Schmerzen zu erleiden oft Ausdruck eines Kindheits- oder sogar vorgeburtlichen Erlebnisses, das uns das ganze Leben im Bann halt. Die Standards und der Leistungsdruck unserer Gesellschaft verstärken diese Konditionierungen durch Ansprüche, denen wir glauben gerecht werden zu müssen.

Überlegen Sie:  Setze ich mich selbst unter Druck und ist es notwendig ?

Symptome der Angst sind also mit einer Reaktion auf eine schrillende Alarmanlage zu vergleichen und man hat die Wahl: entweder die Warnsignale zu ignorieren und die Symptome zu unterdrücken (durch Ablenkung, Drogen oder Medikamente), oder sich mit Interesse der tieferen Ursache zuzuwenden – so, als würde man nachsehen gehen, warum der Alarm ausgelöst wird.

Jede Angst hat eine Geschichte und sich dieser zu nähern, ist der erste Schritt zur Heilung. Fragen Sie sich: was will mir die Angst sagen – und vertrauen sie der Antwort.

Die Ursache der (chronischen Angst ist immer eine unwillkürliche Reaktion auf die Empfindung “nicht zu wissen” – das heißt keine Kontrolle darüber zu haben, wie etwas ausgehen wird, denn selbst wenn es Prognosen oder Vorhersagen gibt, können wir nicht sicher sein, wie sich eine Sachlage entwickeln wird und wofür dies letztendlich  gut sind.

Überlegen Sie: Hätten Sie Angst, wenn Sie sicher wüssten dass alles gut ausgeht ?

Ein weiterer Schritt ist zu lernen, sich von quälenden Gedanken zu befreien. Dies geschieht einerseits durch Logik (“Kann ich absolut sicher sein, ob das, was ich befürchte auch eintrifft?”), andererseits durch Lenken der Aufmerksamkeit weg von den Gedanken, in den eigenen Körper.  Dem Atem folgen, bewusst zu entspannen oder sich bei einem Spaziergang von der Natur helfen zu lassen, sind einfache, doch extrem wirksame Methoden.

Manchmal sind Angstzustände (Unruhe, Aggressivität) oder Angststörungen ( Panikattacken) so ausgeprägt, dass professionelle Hilfe, unter Umständen auch Medikamente, in Anspruch genommen werden müssen. Wichtig ist aber immer die Ursachensuche, denn als quälend empfundene Angst hat immer einen Grund und einen damit verbundene Auslöser.

 ERSTE HILFE:

Was tun bei Angst und Stress ? Die ABC – Regel hat sich bewährt:

Anerkennen: Dies ist der erste und wichtigste Schritt. Nehmen Sie die Angst und das unangenehme Druckgefühl an. Sagen sie “ JA “ dazu – Ja, ich verspüre Angst.

Beobachten: Beobachten Sie sich und Ihre Reaktionen. Wann tritt das Angstgefühl auf, mit welchen Situationen und Menschen ist es verbunden ? Gibt es „Trigger“ ? Wie reagieren Sie darauf ?

Causal hinterfragen: Ist es JETZT notwendig, in Aufruhr zu sein ?

Angst und Unruhe lassen sich leicht lösen, wenn man sich angewöhnt, im Hier und Jetzt zu sein. Viele Dinge lösen sich von selbst, und Ruhe und Gelassenheit stellen sich ein.

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VERANSTALTUNGSHINWEIS: Am 3.12. hält Dr. Michaela Trnka einen Vortrag über „Wege aus der Angst“ im Rahmen des MiniMed Studiums (Eintritt frei)

Wege aus der Angst
Wie man Angst und Krise als Wachstumschance nützen kann

19:00 Uhr
Novomatic Forum – Festsaal
Friedrichstr. 7, 1010 Wien

Mehr über Dr. Michaela Trnka

Land der Invaliden

Manchmal wil man das, was in den die Medien verbreiten einfach nicht glauben.

Diesmal geht es um eine Studie die Gründe für Frühpensionierungen untersucht. Psychische Erkrankungen seien immer häufiger Anlass für Invalidität. Besonders bei Frauen, nämlich fast 50%.

Professoren und Experten analysieren  das Datenmaterial und kommen zu dem Schluss, dass Frauen stärker belastet seien, weil sie häufiger in sozialen oder pflegerischen Berufen arbeiten und weil sie die Doppel – und Dreifachbelastung von Familie, Beruf und Privatleben zu tragen haben, während Männer das Familienleben eher als Ausgleich empfinden. Wie dem auch sei, laut der Studie werden Frauen eher depressiv, Männer greifen zum Alkohol und der nächste Schritt führt in die invaliditätsbedingte Frührente – aus psychischen Gründen.

Mich hat interessiert, wie viele Menschen hierzulande in Frührente gehen. Das Ergebnis hat mich überrascht:

Vier von zehn Männern und eine von drei Frauen gehen als Invalide in die Rente. Über beide Geschlechter hinweg sind es 37,8 Prozent. Im Alter von 55 bis 59 gibt es in keinem anderen europäischen Land auch nur annähernd so viele „invalide“ Pensionisten wie in Österreich.‘

Jeder dritte Angestellte wurde 2005 aufgrund einer psychischen Erkrankung frühpensioniert. Innerhalb von nur zehn Jahren hat sich die Zahl der aufgrund psychischer Belastungen nicht mehr Arbeitsfähigen fast verdoppelt. Jeder vierte Angestellte geht aufgrund einer Erkrankung des Bewegungsapparats vorzeitig in den Ruhestand.

Erkrankungen des Bewegungsapparates haben zumeist psychische Ursachen, man kann sie also getrost hinzuzählen.

Ein erschütterndes Bild, finden Sie nicht ?  Wie kann es sein,  dass eine 38,5 Stundenwoche Menschen scharenweise in die Invalidität schickt? Wie kann es sein, dass Menschen mit relativ geringen Bezügen lieber aus dem Arbeitsprozess ausscheiden, als sich weiterhin aktiv, mit all ihren Erfahrungen und dem Wissensschatz einer jahrelangen Berufstätigkeit einbringen ? Wie kann es sein, dass offizielle Stellen, Interessengruppen und die Medien dazu hartnäckig schweigen ?

Offensichtlich macht uns Erwerbsarbeit, wie sie derzeit organisiert ist,  krank und zwar in einem Ausmaße, das an eine Epidemie denken lässt. Jeder 3. Angestellte wegen einer psychischen Erkrankung frühpensioniert, Tendenz steigend ? Eine von 3 Frauen geht als Invalide in die Rente ? Und alles nur, weil sie Familie, Haushalt und Beruf unter einen Hut bringen will ?

Denkt denn niemand nach ? Fällt denn niemanden etwas auf ?
Wollen wir wirklich so leben ?

Was ich mir wünsche ist Ehrlichkeit und Mut für ein rigoroses Aufdecken der Kausalität. Niemand ist schuld. Niemand (!) ist schuld. Weder die Arbeitgeber, noch die Arbeitnehmer, noch der Staat, noch die Wirtschaft. Jeder tut sein bestes, aber irgendwie hat uns die Realität überholt und das, was vor zwanzig Jahren noch gültig war, hat längst ausgedient und muss dringend revidiert werden. Was sich nicht geändert hat ist, dass Menschen sich sinnvoll betätigen wollen, Freude an Kreativität und Kooperation haben und ihr Wissen und ihre Talente in den Arbeitsprozess einbringen möchten. Und noch etwas – wenn die Systeme nicht mehr passen, muss man diese an die neuen Gegebenheiten anpassen, aber nicht die Menschen in die alten Systeme zwingen.

Bedingungen, die für  fast die Hälfte der Arbeitnehmer derartig gesundheitsschädlich sind, sodass sie invaliditätsbedingt  in die Frühpension gehen müssen,  sind jedenfalls keine Lösung, mit der ich gesellschaftspolitisch einerstanden bin. Genauso wenig wie ich einverstanden bin mit den lauen Erklärungen der Experten, die nicht mal an der Oberfläche des Problems kratzen, sondern lieber mit bekannten Allgemeinplätzen wie Doppelbelastung oder Zunahme der psychischen Erkrankungen argumentieren.

Wir alle sehen, dass etwas nicht stimmt.  Oder ?

Im Schraubstock

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„Ich fühle mich wie im Schraubstock “ sagte unlängst eine Bekannte.

Ich glaube wir alle kennen dieses Gefühl, eingeklemmt zwischen Zwängen, Routine und Erwartungen zu sein. Kein Platz für Spontaneität, keine Nische für Kreativität und kein Spielraum für Experimente.

Es tut richtig weh im Schraubstock zu stecken.

Körperlich ist eine angespannte Muskulatur das Equivalent für das Schraubstocksyndrom. Schmerzende Schultermuskeln, verkrampfte Muskelpakete entlang der Wirbelsäule, eine unangenehme Spannung der Gesichtsmuskulatur, besonders der Kiefer.  Diese An-und Verspannung ist oftmals die Ursache für Rückenschmerzen und Unbeweglichkeit.

Ein Schraubstock hält mit eiserner Kraft etwas zusammen, das sonst auseinander fallen würde. Und im gewissen Sinne ist das auch bei uns Menschen so. Im Sinne der energetischen Medizin, gehört die Muskulatur zum Kreislauf der Leber, die wiederum zuständig ist, für den freien Fluss von Energie und Gefühlen. Im Sinne der westlichen Medizin, ist es der erhöhte vegetative Tonus der chronischen Stressreaktion,die für die schmerzhaft empfundene Anspannung und Verhärtung der Muskulatur verantwortlich ist.

Wir halten uns also mit aller Kraft aufrecht, obwohl wir lieber nachgeben würden. Aber würde dann nicht alles zusammenbrechen ?

Es macht Sinn, sich dem Schraubstock, der den freien Fluss der Energie und der Gefühle zurückhält und somit Beschwerden bereitet, kontemplativ zu begegnen und sich selbst ein paar Fragen zu stellen:

Woran versuche ich festzuhalten ? Welche Erwartungen versuche ich zu erfüllen ? Für wen muss ich mich aufrecht halten ? Versage ich mir Kreativität und Spontaneität ? Und -was würde passieren, wenn ich mich aus meinen eigenen Zwängen befreite ?

Oftmals hat das Gefühl im Schraubstock zu stecken auch mit unbewussten Ängsten vor Veränderung zu tun. Auf der einen Seite erahnt man neue Möglichkeiten, auf der anderen Seite möchte man Altes und Gewohntes nicht aufgeben. Um diesen Konflikt auszuweichen, auch weil man sich erschöpft oder ausgelaugt fühlt, wird oft eine „eiserne Haltung“ angelegt, die wiederum das Schraubstockgefühl verstärkt.

Was also tun ?

Bewegung ist hier das beste Mittel. Laufe, Walken oder Spaziergänge an der Natur bringt den Kreislauf´in Schwung. Auch energetische Übungen, wie zum Beispiel Yoga oder Pilates sind sinnvoll. Sehr hilfreich kann auch Körperarbeit, wie zum Beispiel die Feldenkraismethode sein, um unbewussten Blockaden auf die Spur zu kommen und über gezielte Bewegung die die verhärteten Muskeln, welche den Schraubstock der Seele bilden, zu lockern. Es geht nicht nur um eine Linderung der körperlichen Beschwerden – es geht auch um die Kausalität, die der Störung zugrunde liegt.

Überforderung und Pflichtbewusstsein, Angst vor Veränderung und festgefahrene Gedankenmuster gehören hier zu den klassischen Auslösern, denen man sich auf sanfte Weise nähern muss, will man den Schraubstock lösen und das eigene kreative, spontane Wesen befreien.

Dr. Michaela Trnka arbeitet mit Menschen, die ihr eigenes Potential entwickeln und entfalten möchten. Körperliche Beschwerden sind immer ein Hinweis auf Störungen, denen gedankliche Muster und Glaubensgrundsätze zugrunde liegen. Details auf www.aesculini.com.