Scharfe Radieschen

Die Seewinkler Gemüsebauern haben sich nach 20 Jahren der Zusammenarbeit von der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft LGV getrennt. Grund dafür war dass die LGV ausschliesslich auf beheizte Indoor Produkte setzt, die Seewinkler Gärtner aber Freilandgemüse ziehen. Dies ist nun zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal geworden. Paradeiser aus dem Gewächshaus oder von Hand gezogene Radieschen, die auch nach etwas schmecken ?

Für viele Menschen ist gesundes Essen wichtig geworden und es ist ein guter Schritt, bewusster zu werden. Was nehmen wir zu uns, wo kommt es her und was ist wirklich drinnen ?  Wir greifen nach Obst und Gemüse, im Wunsch nach gesunden frischen Nahrungsmitteln, aber die Chance ist groß, ein Produkt aus dem beheizten Gewächshaus nach Hause zu tragen.

Sonne und die Nährstoffe des Erdbodens sind Wachstumsfaktoren, die die Qualität des Nahrungsmittels und damit unsere Gesundheit nachhaltig beeinflussen. Natürlich spricht nichts dagegen im Winter auch einmal nach dem Glashaussalat zu greifen, aber spätestens ab März gibt es wieder Freilandgemüse aus der Natur. Es sollte uns allen  bewusst sein, dass nur die Natur und die natürlichen Nähr – und Abwehrstoffe geben kann. Effizienz und Profitabilität dürfen nicht zu Lasten der Gesundheit gehen. DerTrend der Gesetzgeber und der Anbieter Massenware zu bevorzugen, ist leider nicht zu übersehen.

Ein Gemüsekalender hilft dabei, saisonal zu genießen. Wer wirklich gesund essen will hält sich an die drei Merkmale: saisonal, regional und bio.

Es braucht bloss ein bisschen Aufmerksamkeit. Denn was man kauft, dass is(s)t man.

Leistungssport

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Der Spiegel widmet sich wieder einmal dem Thema Burnout.

Demnach soll in Deutschland jeder Vierte im Job einknicken, weil er sich ausgebrannt fühlt. Um dem vorzubeugen, sollte man wie ein Leistungssportler denken, sagt darin der Experte und Psychologe Michael Kellermann.

Ich habe diesen Artikel mit Kopfschütteln gelesen und mich wieder einmal gefragt: “ Fällt denn niemandem etwas auf ?“

Arbeitnehmer werden mit Leistungssportlern verglichen ? Mit Menschen, die es gewohnt sind an und über Ihre Grenzen zu gehen, die weder Schmerz, Kosten, Mühe oder Gefährdung ihrer Gesundheit scheuen, um extreme Leistungen zu vollbringen ?

Sein Rat: die Betroffenen sollen Erholungspausen einlegen. Er rät, sich zu überlegen was einem guttut und rät zur Überwindung. „Erholung passiert nicht einfach, man muss sie steuern.“

Erholung ist ein körperlicher Prozess, der durch Ruhe und Entspannung verbrauchte Kräfte zurückgewinnt und die Leistungsfähigkeit wieder herstellt. Ich behaupte also, Erholung passiert sehr wohl – man muss sie nicht steuern oder herbeiführen, sondern der Intelligenz des Körpers vertrauen und nicht gegen seine eigenen Instinkte arbeiten.

Aber vielleicht haben wir gerade das verlernt ?

Ich arbeite viel mit Menschen, die an chronischem Stress oder Burnout leiden und ich beobachte dabei immer wieder, dass diese Menschen sehr wohl spüren, dass sie erschöpft sind, aber trotz Urlaub, Wochenenden oder Auszeiten nicht ausreichend Reserven tanken oder regenerieren können. Oftmals scheitern gute Vorsätze “ endlich etwas für sich zu tun“ am  Energieaufwand und das beeinflusst die Motivation. Erholung soll ja Energie geben, nicht noch mehr belasten.

Wir haben in Österreich normalerweise 5 Arbeitstage und eine 40 Stundenwoche. Natürlich gibt es überall Spitzenzeiten oder Überstunden und sicherlich ist das allgemeine Tempo schneller geworden, aber das erklärt doch nicht die enorme Zahl der Krankenstände und Ausfälle durch chronische Stressbelastung.

Erschöpfungssyndrom, Anpassungsstörungen, Depression, Belastungsstörung, Burnout – alles weil wir nicht wissen, wie wir uns erholen sollen ? Oder liegt es vielleicht daran, dass niemandem mehr auffällt, das eine normale Berufstätigkeit bereits mit Spitzensport verglichen wird ?

Ich habe ein paar Ideen über die Hintergründe der Erschöpfungsepidemie am Arbeitsplatz und abseits davon, die ich in den nächsten Wochen hier vorstellen möchte – im Sinne einer ganzheitlichen Überlegung, die die Kausalität des Phänomens Burnout beleuchten soll.

Denn eines ist sicher – Arbeit soll Spass machen und nicht die Gesundheit ruinieren.

Kurzvortrag über Stress und Gesundheit bei ” Laut und Leise”

DR. MICHAELA TRNKA HAT SICH LANGE MIT STRESSMEDIZIN BESCHÄFTIGT UND ARBEITET INTENSIV MIT MENSCHEN, DIE BURN-OUT ALS CHANCE BETRACHTEN, “UM-ZU-LEBEN” UND WIEDER ZU SICH SELBST UND IHRER EIGENEN BESTIMMUNG ZU FINDEN.

Siehe auch: www.aesculini.com

Knopf im Kopf

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Knopf im Kopf ist der Titel eines der Wegweise Workshops.

Hierbei geht es um die Lösung von kniffligen Entscheidungen, die einfach nicht zur Lösung kommen wollen. Einerseits…andererseits, aber…jedoch. Jeder kennt diese Zwickmühle,

Das sind manchmal große Entscheidungen, die Beziehungen, Wohnraum, Umzug, Wechsel des Arbeitsplatzes usw. betreffen. Oder auch relativ kleine Aufgaben, die aber zu keiner befriedigenden Lösung kommen wollen.

Die beste Methode ist einfach alles liegen und stehen lassen, und etwas anderes zu tun. Im Moment, wo sich der Fokus von den eingefahrenen Gedankenmustern und Begründungen gelöst hat, ergibt sich die Entscheidung oft wie von selbst. “ Aha…das ist es“. Und manchmal sind es ganz überraschende Ansätze, an die man vorher  gar nicht gedacht hat.

Ein „Knopf im Kopf“ ergibt sich, wenn man zu rigide an seinen Erfahrungen und Erwartungen festhält. Das sind einfach zu viele Vorgaben und man engt den Spielraum zu sehr ein. Gerade bei großen Entscheidungen möchte man sich sicher sein, und das ist ja sowohl auch vernünftig als auch verständlich.

Wo trifft man eigentlich Entscheidungen ?

Da gibt es einmal die rationale Komponente. Diese basiert auf unserem Wissen, unseren Erfahrungen und unseren Vorlieben. Mit Hilfe unseres Verstandes können wir Argumente „für“ und „wider“ abwägen, Berechnungen anstellen, verschiedene Meinungen bewerten und mit der eigenen Erfahrung abgleichen. Hinter einer Entscheidung steht also der gesamte Wissen-und Erfahrungsschatz des Lebens, mehr oder weniger beeinflusst von unserer Umwelt.

Daneben gibt es aber auch die unbewusste Komponente unserer Gedanken, Vorstellungs- und Gefühlswelt. Diese ist bei Entscheidungen wesentlich mehr beteiligt, als wir annehmen. Oft ist es sogar so, dass die rationalen Argumente dazu herangezogen werden, eine Gefühlsentscheidung zu begründen oder zu rechtfertigen. Dies ist oft bei negativen Entscheidungen der Fall, da das Risiko zu hoch erscheint. Bei Entscheidungen die eine positive Gefühlswelle auslösen und unsere bewussten oder unbewussten Wünsche treffen, denken wir oft gar nicht richtig nach, da die emotionale Komponente das Angebot in seinem besten Licht erscheinen lässt.

Viel zuwenig beschäftigen wir uns allerdings mit unserer eigenen Intuition als Entscheidungshilfe. Intuition ist die plötzliche Eingebung eines Weges oder einer Lösung, ein inneres „Wissen“, das keinerlei zusätzlichen Erklärung bedarf.

„Plötzlich wusste ich, was ich tun muss“ ist die typische Beschreibung eines intuitiven Treffers. Die klassische “ Bauchentscheidung“, die aus unserem tiefsten Inneren zu kommen scheint.

Der Unterschied zwischen einer emotionalen und intuitiven Entscheidung ist, dass letztere keinen Erklärungsbedarf hat. Gefühlsentscheidungen bedürfen guter Argumente, Intuition präsentiert sich einfach.

Wie kann man nun bei Bedarf tief in sein eigenes inneres Wissen hineinreichen, um kreative Lösungen zu finden ?

Intuition tritt ein, wenn man sich von Gedanken, Vorstellungen und Erwartungen frei macht. Diese sind es, die uns oft hindern, neue Wege zu gehen. „Knopf im Kopf“ bedeutet, dass alte Ansätze einfach nicht mehr funktionieren und für die neue Situation ungeeignet sind. Aber um das Neue zu sehen, muss man sich vom Alten lösen.

Das geht auch bei großen Entscheidungen am besten so, dass man sich bewusst von der Argumentationsfalle des eigenen Verstandes löst. Dieser kennt nur, was er weiß – Neues ist suspekt, da nicht einschätzbar. Alte Gedankenketten sind vertraut, neue Ideen weden als „nicht überprüfbar“ und unsicher beurteilt.

Die Antwort liegt meistens bereits in der Frage. Eine gute Methode ist es also, die Entscheidungsfrage aufzuschreiben und einfach bei sich zu lassen. Man kann in sich hineinfühlen, ob die Frage selbst bereits ein angeregtes oder eher vorsichtiges Gefühl auslöst. Dies gibt einen bereits weitere Hinweise auf die Bereitschaft die Antwort überhaupt hören zu wollen.

Denn eines ist sicher: Sie kennen die Antwort bereits.

Beben

In Italien wurden sechs Seismologen  und ein leitender Angestellter des Zivilschutzes zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Der Grund? Sie hatten die Gefahr eines bevorstehenden Erdbebens unterschätzt und die Bevölkerung zu Unrecht beruhigt. Eine Woche später bebte die Erde und 350 Menschen starben.

Jedes Beben ist individuell und kann trotz empfindlicher Geräte und wissenschaftlichen Formeln nicht mit genügend großer Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit vorher gesagt werden. Das scheint aber nicht das Problem gewesen zu sein.

Wie es scheint, haben sich die Wissenschaftler den Forderungen der Zivilschutzbehörde gebeugt und die Gefahren herunter gespielt. Dies ist einerseits verständlich, da man die Bevölkerung nicht unnötig alarmieren wollte, andererseits wurden dadurch wichtige Vorkehrungen nicht getroffen und das Beben traf die Bevölkerung unvorbereitet.

Was mir interessant erscheint, ist die Signalwirkung. Die Wissenschaft darf sich nicht politischen Interessen beugen. Das Erdbeben in L’Aquila hat 390 Menschen das Leben gekostet und gewaltigen Schaden angerichtet. Eine humanitäre Katastrophe, die man vielleicht nicht vorhersehen konnte, aber für die man besser vorbereitet hätte sein können.

Wir wissen nicht, was wirklich geschehen ist. Die Zeitungsmeldungen widersprechen sich zum Teil und die internationale Wissenschaftsgemeinde ist empört über die Urteile. natürlich kann man Erdbeben nicht vorhersagen, aber warum wurde mit voller Absicht ein großes Risiko eingegangen ? Was ich vermisse, ist eine offene Diskussion über die Unabhängigkeit und die Aussagekraft der Wissenschaft. Bei Erbeben, Atomkraft, Gentechnologie und in der Medizin. Nur um ein paar zu nennen.

Wahrheit oder Karriere ? Das ist die Frage. Und – was hätten Sie getan ?
Haben wir nicht alle schon einmal Fakten oder Zahlen anders dargestellt, als es der Wirklichkeit entsprach ? Weil wir darum gebeten wurden oder weil man einen Vorteil darin sah ?

L’Aquila ist überall.

Nobel und Nieren

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Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaft ging an zwei Spieltheoretiker.

Diese haben sich bereits eines der dringlichen Probleme angenommen – der Nachfrage an Nierenspender. Es gibt genügend Menschen, die bereit wären für Verwandte oder Freunde eine Niere zu spenden, doch oft besteht eine Unverträglichkeit und der Körper des Patienten stößt die verpflanzte Niere ab. Die Wissenschafter bauten nun einen Markt auf, der die inkompatiblen Paare vernetzte und so die Chance erhöhte, doch noch zu einer passenden Niere zu kommen. Dieses System funktioniert ohne Geld. Auch die, die keinen Spender haben profitieren davon, denn wenn es mehr Nieren am Markt gibt, rücken sie auf der Warteliste schneller vor.

Alvin E Roth und Lloyd Shapley heißen die beiden. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass der Nobelpreis an ein Forscherteam geht, dass sich mit Alternativen zum derzeitigen Anerbot-Nachfrage Paradigma beschäftigt.  „Economics is about real life…“sagt Alvin E. Roth in seinem Interview und da muss man ihm Recht geben.

Oft lassen sich Probleme dadurch lösen, dass man sich von den üblichen Voraussetzungen und Glaubenssystemen  löst – wie zum Beispiel wem man eine Niere spenden möchte.

Eine weitere Nachricht vom Nobelpreiskommitee: Der diesjährige Preis für Medizin und Physiologie ging an ein Forscherteam, das nachgewiesen hat, dass reife Stammzellen verjüngt werden können und damit wieder in ihr pluri-potentes Stadium zurückgeführt werden können. Das hat ungeahnte therapeutische Konsequenzen. Man nimmt eine Körperzelle, reprogrammiert sie und beginnt dann, die gewünschten Zelltypen – zum Beispiel Nerven- oder Muskelzellen – zu züchten.

Schöne neue Welt. Man muss nur dran glauben…

China Erdbeeren

11.000 Menschen sind in Deutschland nach dem Genuss von Erdbeeren an Brechdurchfall erkrankt. Schuld daran war angeblich ein Virus der die Tiefkühlware verseucht hatte.

Dies ist ein schönes Beispiel den Unterschied zwischen Ursache und Auslöser zu demonstrieren.

Der Auslöser – vermutlich das Novo-virus.
Die Ursache ? Schlichtweg  Ignoranz

Denkt sich eigentlich niemand etwas dabei, dass Kinder in Schulen und Kindergärten Tiefkühlerdbeeren aus China bekommen? Wie werden diese eigentlich angebaut, gedüngt, gespritzt, gepflückt, verpackt, verschifft ? Dies sind ja nur die praktischen Fragen an der Oberfläche. Man könnte weiters Überlegungen anstellen, wie viel es kostet, Erdbeeren von China nach Deutschland zu verschiffen und warum diese billiger sind als  Erdbeeren die auf deutschen Feldern wachsen. Man könnte Überlegungen anstellen, wieso man Kindern in Schulen Nahrungsmittel zumutet, die aus China kommen, obwohl man diese auch regional bekommen kann. Man könnte Überlegungen anstellen, ob die Eltern dieser Kinder Tiefkühlerdbeeren aus China als geeignete Nahrung für Ihre Kinder sehen ?

Man könnte natürlich auch Überlegungen anstellen, was in unseren Kantinen verkocht wird und was wir eigentlich so zu uns nehmen.

Was denken Sie ? Wo kommt der Apfelsaft her ? Aus dem Mostviertel oder China ?

Chinas gewaltiges Erdbeer Geschäft

Der Schmerz von nebenan

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In meinem letzten Beitrag habe ich über Mitgefühl gesprochen.

„Was ist Mitgefühl eigentlich genau“  wurde ich gefragt.

Das ist eine wichtige Frage, denn es besteht tatsächlich eine gewisse Begriffsverwirrung über so wichtige non-verbale Kommunikationsfähigkeiten wie „Mitleid“, “ Empathie“ und „Mitgefühl“. Ich möchte also einen kleinen Ausflug in unsere Gefühlswelt wagen, um ein wenig Klarheit zu verschaffen. Ich möchte anmerken, dass wir diese Begriffe oft synonym verwenden, doch eine exakte Formulierung kann uns helfen, die tatsächliche Ebene des Gefühlsaustausches zwischen Menschen aufzuspüren und nachzufühlen.

Bei keinem der Begriffe handelt es sich um eine Emotion. Mitleid bezieht sich auf die Fähigkeit den Schmerz oder das Leiden eines anderen zu empfinden, ohne dass man die damit verbundenen Gefühle in ihrer ganzen Tragweite körperlich zu spüren bekommt. Mitleid kommt auf, wenn man die eigene Erfahrung einsetzt, um das Erleben des anderen nachzuvollziehen. Man kann sich vorstellen, wie schlimm es sein muss, jemanden zu verlieren, an einer Krankheit zu leiden oder in einer schwierigen Lebenskrise zu sein und aus diesem Wissen heraus, ist man motiviert zu helfen. Man nennt Mitleid auch „den Schmerz von nebenan“ und das Bedauern ist ein Teil davon.  Oft lehnen Menschen Mitleid ab, weil sie sich durch diese Diskrepanz unterlegen fühlen.

Empathie wiederum ist die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen. Einfühlungsvermögen ist eine gute Übersetzung dieses Wortes, das ein Gegenteil hat – Apathie, das  für Unempfindlichkeit und Teilnahmslosigkeit steht. Empathie ist ein unbewusster Vorgang, der  sowohl die Gefühlsebene als auch kognitive Zentren in der Großhirnrinde mit einbezieht. Dieses „sich hineinversetzen können“  ist eine Funktion der sogenannten Spiegelneurone, die gleich reagieren, egal ob man den Schmerz nun selbst erfährt, oder ihn bei anderen wahrnimmt.  Es ist eine wichtige Fähigkeit, andere über die Sinneseindrücke hinaus in ihrer Gesamtheit, inklusive der Gefühlswelt und Emotionalität, wahrzunehmen. Menschen die Empathie haben, sind gute Kommunikatoren, da sie sich gut auf Ihr Gegenüber einstellen können.

Das echte Mitgefühl geht aber selbst darüber hinaus. Es beschreibt die Bereitschaft den  Schmerz und das Leid des anderen wahrzunehmen. Im Mitgefühl wird nicht nur das  emphatische Einfühlungsvermögen gezeigt, sonder der  Gefühlszustand des anderen wird vorbehaltlos, als wäre es der eigen, wahrgenommen. Offenheit, ohne Angst und Vorurteil lässt Mitgefühl aufkommen und wir helfen ohne groß nachzudenken, spontan und ohne auf den eigenen Vorteil zu achten. Dieses Mitgefühl ist ein Ausdruck von Liebe.

Und hier liegt der Unterschied. Mitleid, aber auch Empathie setzen Grenzen. Das Mitgefühl überwindet diese und erlaubt Menschen ihrer wahren Natur Ausdruck zu geben. Mitgefühl kennt kein Bedauern, weil es den Betroffenen und den Mitfühlenden auf eine Stufe stellt. Mitgefühl kommt von selbst, wenn man einfach auf den anderen zugeht, alle Ideen, Verurteilungen oder  Vorurteile beiseite lässt und einfach fragt “ Kann ich Dir helfen“.

Beobachten Sie sich einmal selbst. Wenn man ein weinendes Kind sieht, ist es ein Instinkt hinzugehen und es zu trösten. Egal ob es das eigene ist, oder nicht. Aber bei einem Freund, einen Bekannten oder Kollegen fällt das schon schwerer. Wir glauben, dass diesem unsere Anteilnahme vielleicht unangenehm ist. Und das mag stimmen, wenn Mitleid im Spiel ist. Mitleid, das davon ausgeht, dass einer Glück hat und der andere Pech – und völlig übersieht, dass man nur ‚Glück‘ haben kann, wenn ein anderer das ‚Pech‘ auf sich nimmt.

Mitleid reagiert auf den Schmerz von nebenan. Empathie nähert sich an. Doch Mitgefühl kennt keine Unterschiede, nimmt alles an und weist nichts zurück.

Dr.Michaela Trnka ist Ärztin, Mentor und Wegweise. Sie beschäftigt sich mit der ganzheitlichen Lösung von Stress und Burn-Out. Weitere info auf www.aesculini.com

Kann ich Dir helfen ?

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Es vergeht kein Tag an dem mich nicht jemand fragt, wie man Menschen im Burn-Out helfen kann. Meist handelt es sich um Kollegen, Bekannte, Freunde oder Freunde von Freunden.

Hier ist mein Rat: Zeigen Sie Mitgefühl.

Ein Mensch, der sich in der Spirale eines Burn-Outs befindet braucht vor allem eines – das Gefühl nicht alleine zu sein. Stellen sie sich vor, sie wachen aus einem bösen Traum auf, sind desorientiert und verzweifelt. Sie wissen nicht weiter sind vor Angst gelähmt. In einem solchen Moment brauchen wir nur das Gefühl gehalten zu werden.

Das Burn-Out ist keine Krankheit, keine psychische Störung und schon gar kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zustandsbild, ein Syndrom, das viele Ursachen hat. Eine davon ist ein Verlorengehen in der Welt der Gedanken und reaktiven Glaubensmustern,  ein getrennt sein von der stabilisierenden, erdenden Kraft des Körpers. Menschen im Burn-out leben im Kopf und nehmen die Signale des eigenen Körper nicht wahr.

Ein Mensch mit Burn-Out braucht Halt. Er braucht keine Medikamente, Psychopharmaka oder gute Ratschläge. Er braucht Wärme, Berührung und Ruhe um wieder zu sich zu finden. Es ist wie das Erwachen aus einem Albtraum. Viele haben Angst, da sie sich buchstäblich am Abgrund sehen. Das ist eines der Symptome und weist auf den Mechanismus des Burn-Outs hin, das mit Identität zu tun hat. Dieser Angst kann man am besten begegnen, indem man den betreffenden Menschen dazu anleitet auf seinen Atem zu achten oder mit den Handflächen die Oberschenkel reiben. Dies bringt sie wieder in den Körper und lenkt von der Angst ab.

Es ist wichtig im Moment zu bleiben.

Dies ist auch ein wichtiger Ratschlag für alle die helfen wollen. Ein Mensch im Burn-Out weiß oft instinktiv was er braucht und kommuniziert das auch. Es gibt keine Standardtherapie oder Vorgehen, da jeder Mensch anders ist und für unterschiedliche Ansätze oder Methoden zugänglich.

Also fragen Sie ganz einfach: „Kann ich Dir helfen ?“  Und dann warten Sie auf die Antwort. Nur Zuhören, selbst wenn nichts gesagt wird. Keine Ratschläge, keine Vergleiche, keine Anekdoten, keine Hilfsaktionen – nur ein ernst gemeintes, aufrichtiges

„Kann ich Dir helfen?“

Dr.med. Michaela Trnka ist Ganzheitsmedizinerin und spezialisiert auf Stressmedizin. BurnOut bedarf eines ganzheitlichen Ansatzes, der individuell verschieden ist. www.aesculini.com

Faul & Glücklich

Das Profil widmet seine Titelstory diese Woche dem Phänomen Burn-out. „Chill dein Leben“ betitelt die Autorin ihren Beitrag und besingt ein wenig unsicher, aber bestärkt durch angesehene Kapazitäten, das hohe Lied des – Müßigganges, das sie als „Strategie gegen Burn-Out anzupreisen weiß.

Immerhin ein Schritt zur Lösung der „Phantom-epidemie“, von der fast jeder direkt, zumindest aber indirekt betroffen ist, die aber in keinem Diagnosemanual oder Lehrbuch zu finden it.

In meinem letzten Beitrag habe ich die Frage gestellt, ob niemanden etwas auffällt. Er bezog sich auf eine Presse-aussendung der Wiener Ärztekammer, die von 2 Millionen betroffenen und/oder gefährdeten Österreichern im erwerbsfähigen Alter sprach. Früher hat die Pest und die Tuberkulose die Leute reihenweise dahingerafft, heute ist es eine Erkrankung, die gar keine ist und für die sich niemand wirklich zuständig sieht. Das wird ja auch verständlich, wenn man davon ausgeht, dass bereits ein Viertel der Bevölkerung in einem der vorbildlichsten Sozialstaaten der Welt, der überaus wohlhabend ist und sich durch seine Schönheit und Bewusstsein für Natur und Natürliches hervortut, von einer mysteriösen Malaise betroffen ist, die es angeblich nicht gibt, aber in ihrer Auswirkung die Arbeitsleistung massiv und empfindlichst  reduziert (stellen Sie sich vor jeder 4. Kollege fällt aus) und somit direkt die Wirtschaftsleistung und das heilige Bruttosozialprodukt, das unser aller Wohlergehen definiert.

Als es die Pest gab, konnte zumindest jeder die Beulen sehen und es war eindeutig die Troika Arzt, Priester, Totengräber dafür zuständig.

Aber heute ? Ach du lieber Augustin…

Heute übernehmen die Medien die Rolle der Gesundbeter und erzählen den Menschen, dass Burn-Out eine Phantomkrankheit ist, an der sie im Prinzip selbst schuld sind. Zu schwach, nicht kommunikationsfähig, beziehungsunfähig, persönlichkeitsgestört, süchtig, abhängig, unfokussiert, zu wenig motiviert, nicht anpassungsfähig, nicht modern, nicht stark, nicht tough – eben einfach nicht…cool und chillig.

Chill dein Leben.

Was ich an diesem zwar wohl gemeinten, aber irgendwie hilflosen Beitrag so liebe und was mir soviel Hoffnung gibt, ist das Titelbild und seine Symbolik, das mehr über den kausalen Lösungsansatz sagt, als ganze Bücher zum Thema “ Nichts geht mehr, aber es muss“ – Strategien gegen Burn-Out“.

Auf diesem Bild sitzen ein Mann und eine Frau Rücken an Rücken. Beide im unschuldigen Weiß gekleidet. Sie wirkt entspannt, hat die Augen geschlossen, lehr sich an seine Schulter. Er wirkt ein wenig sorgenvoll, in der Denkerpose. Faul & Glücklich sagt die Überschrift. Und so scheint es wahrhaftig. Das entspannt ruhende weibliche Prinzip macht es vor – relax. Vergiss die Sorgen und lass die Probleme sein. Heute ist heute.Wir sind da, wir haben uns, wir haben gegessen, getrunken und ein Dach über dem Kopf. Das reicht doch im Moment, oder ? Das gestresste männliche Prinzip runzelt die Stirn – aber was wird, wenn…scheint er zu fragen. Relax sagt sie. ich bin ja da und hast du dir schon mal überlegt, dass du gar nichts tun musst um zu atmen ?

Genau. Für’s Überleben ist gesorgt.

Fällt niemandem etwas auf ?

Die Wiener Ärztekammer schlägt Alarm: Laut einer Presse-aussendung sollen bereits 500,000 Menschen an einem behandlungsbedürftigen Burn-Out Syndrom leiden und ganze 1,5 Millionen Menschen gefährdet sein auszubrennen.

Das sind insgesamt 2 Millionen Menschen, die vom Burn-out betroffen sind.

Österreich hat eine Einwohnerzahl von 8,4 Millionen. 62 % oder 5,2 Millionen sind im arbeitsfähigen Alter zwischen 15-60 Jahren. Wenn wir also annehmen, dass das Burn-Out vor allem die im Arbeitsprozess stehende Bevölkerung betrifft, sind dies fast 40%.

Das heißt 4 von 10 leiden unter den Symptomen eines Burn-Out.

Stress sei im modernen Europa nach Rückenschmerzen das zweithäufigste gesundheitsbedingte Problem, sagt eine weitere Expertin in der Aussendung. Dazu möchte ich zu bedenken geben, dass Stress der häufigste Auslöser für Beschwerden des Bewegungsapparates ist, womit Stress als wirtschaftlicher Faktor eine noch größere Bedeutung zukommt. 2,8 Milliarden Schaden, berechnet eine Schweizer Agentur (für Österreich gibt es keine genauen Zahlen).

Ich beschäftige mich seit langem mit dem Phänomen Stress und Burn-Out und ich stelle immer wieder die Frage: Fällt niemandem etwas dabei auf ?

Gesundheit hängt nicht so sehr von den äußeren Bedingungen, als von der inneren Bereitschaft zur Anpassung an die Gegebenheiten des Lebens ab. Stress entsteht immer dann, wenn ein Konflikt zu Widerstand und Ablehnung führt. Oft sind dies unbewusste Vorgänge, die man über lange Zeit kompensieren kann, die aber irgendwann zu Beschwerden ( wie zB Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme oder Hochdruck) führen. Es stimmt sicherlich, dass ein gesunder Lebensstil (Entspannung, Bewegung, Ernährung) zum Wohlbefinden beitragen kann, aber diese Faktoren sind nicht die Ursache für Stress und Zivilisationserkrankungen.

Oft wird die Ursache im Zeitdruck, der Überbelastung und mangelnden Motivation geortet. Es stimmt sicherlich, dass bedingt durch die wirtschaftliche Situation, die Arbeitsbelastung des Einzelnen zugenommen hat. Aber ist viel Arbeit ein Grund dafür auszubrennen ?

Stellen Sie sich vor, sie tun genau das, was sie am Liebsten machen. Etwas das Ihren Talent, Ausdrucksmöglichkeit und Kreativität entspricht. Egal ob Gärtnern, Kochen, Spazieren gehen, Lesen. Menschen helfen, Unterrichten, Malen, Reisen oder Tischlern. Sie tun das, in dem sie ganz aufgehen und die größte Befriedigung finden. Würde Ihnen das Energie geben oder rauben ?

Wir leben in einer Zeit in der sich vieles ändert und das Alte oft gar keine Sinn macht. Trotzdem versuchen wir die bestehenden Systeme aufrecht zu halten, weil wir sie kenne und sie uns das Gefühl der Sicherheit geben. Denn was für den Menschen oft unerträglich ist, ist die Angst vor dem Unbekannten.

Wo soll das alles hingehen ? Was wird morgen sein, nächste Woche, nächstes Jahr ?
Wir alle haben diese unbewussten Ängste und wir alle spüren den Druck der Veränderung. ich vergleiche das Leben gerne mit einem Fluss. Dieser läuft oft gemächlich, langsam – aber dann auch wieder ungestüm und rau, da gibt es Stromschnellen, Strudel und scheinbar gefährliche Momente. In so einer Situation neigen wir dazu uns festzuhalten, doch der Fluss des Lebens bewegt sich unaufhaltsam vorwärts – und reißt uns mit.

Menschen die sich neuen Gegebenheiten anpassen können, haben es hier leichter. Aber man kann von Ihnen lernen und an ihrer Entwicklung sehen, dass Situationen, die oft wie eine Katastrophe aussehen – wie zB Jobverlust – auch der Ausgangspunkt für etwas Neues oder Befriedigenderes sein kann.

So ist meine Frage zum Burn-Out Syndrom folgende: Wieso glauben wir eigentlich, dass es sich hier um eine psychische Störung oder Erkrankung handelt ? Vielleicht ist es eine gesunde Reaktion eines Organismus, der nicht mehr gehetzt, geschunden und gejagt werden will ? Unter übermenschlichen Willensanstrengungen sich an ein System anzupassen, das schon längst nicht mehr passt ? Und wir alle wissen es….

Menschen im Burn-Out haben den Kampf gegen sich selbst aufgegeben und die Phase der Ruhe (bedingt durch Erschöpfung und Energieverlust) erlaubt es Ihnen sich wieder zu regenerieren. In dieser Phase gibt es wenig Widerstand gegen neue Einsichten und Weisheit. Man lernt Kopf und Körper wieder zusammenarbeiten zu lassen und findet zur Mitte zurück.

Mein Plaidoyer ist das Burn-Out nicht als Geißel oder Zeichen der Schwäche, sondern als Signal zu betrachten endlich stehen bleiben zu dürfen, Atem zu holen und umzudrehen.

Zu sich selbst.

Kurzvortrag über Stress und Gesundheit bei “ Laut und Leise“

Dr. Michaela Trnka hat sich lange mit Stressmedizin beschäftigt und arbeitet INTENSIV mit Menschen, die Burn-Out als Chance betrachten, „um-zu-leben“ und wieder zu sich selbst und ihrer eigenen Bestimmung zu finden.

Siehe auch: www.aesculini.com